Deutschlandmarken thematisch gesehen

Powerpointvortrag im Verein von Dr. Michael Hampel zum Download hier: pdf 1,3 MB

Erläuterungen und Interpretation

Zählt man die Zahlen für den gesamten Auswertezeitraum für BRD und Gesamtdeutschland zusammen, kommt man auf folgendes Ergebnis: Kunst (14,5%) ist am häufigsten, gefolgt von Technik und Naturwissenschaften (13,2%), Politik, Geschichte, Militär, Wirtschaft (13,0%), Natur (10,6%), Bauwerke, Sehenswürdigkeiten (10,8%), Religion, soziale, karitative Organisationen (10,0%), Sport (6,9%), Kinder und Jugend (6,9%), Städte, Länder, Regionen (6,2%), Philatelie, Briefmarken, Post (4,3%), Sonstige (2,6%).

Versuchen wir an Hand der Grafiken der Präsentation uns die Verläufe der einzelnen Kategorien näher zu vergegenwärtigen:

  • Für Kunst hatte man nach dem Krieg zunächst wenig übrig. Erst Anfang der 70er Jahre sind Kunstmotive von größerer Bedeutung und wurden seitdem zu den beliebtesten Motiven mit Spitzenplätzen seit Mitte der 80er Jahre.
  • Technik und Naturwissenschaften war Ende der 50er Jahre und Mitte 70er bis Mitte der 80er Jahre Spitzenreiter, seitdem hat es kontinuierlich an Würdigung verloren
  • Politik, Geschichte, Militär, Wirtschaft spielte nach dem Ende des Dritten Reiches zunächst keine Rolle, hatte seine Hochzeit Mitte der 60er bis Mitte der 70er Jahre und nach der Wiedervereinigung, war aber stets in der Spitzengruppe zu finden.
  • Natur (Pflanzen, Tiere, Umwelt) konnte Anfang der 60er Jahren den Spitzenplatz erklimmen und erzielte auch in der ersten Hälfte der 80er Jahre wegen Wohlfahrtsserien mit Blumenmotiven ein gutes Ergebnis. Ab 2005 wurde Natur wegen der unverfänglichen Blumenserie erneut Spitzenreiter.
  • Bauwerke und Sehenswürdigkeiten waren immer dann besonders stark, wenn entsprechende Freimarken aufgelegt wurden, so in den 60er Jahren und seit Mitte der 80er Jahre
  • Religion, soziale, karitative Organisationen waren als unverfängliches Motiv nach dem Krieg begehrt. Dank der Weihnachtsmarken, die jährlich erscheinen, konnten Sie sich jedoch auch später auf einem recht konstanten Niveau halten.
  • Ist es ein Zufall, dass Kinder und Jugend während der geburtenstarken Jahrgänge 1960-1970 besonders häufig waren? In den 80er Jahren fast ausgestorben, beginnt man die Bedeutung der Kinder für die Gesellschaft wieder ernster zu nehmen und widmet ihnen jährlich eine schöne Kindermarke
  • Sport rangierte nach dem Krieg unter "ferner liefen". Von 1970 bis 1974 hatte er einen Höhepunkt. 1972 fanden in München die Olympischen Sommerspiele statt und 1974 hatte Deutschland die Fußball-WM im eigenen Land.
  • Städte, Länder, Regionen hatten, wie erwähnt, nach der Wiedervereinigung einen Boom, während sie zuvor ein Schattendasein führten
  • Philatelie, Briefmarken, Post sind bei der Gesamtauswertung auf dem letzten Platz und auch heute noch muß um entsprechende Ausgaben gekämpft werden. Es gibt halt mehr Sportler als Briefmarkensammler.


Politik spielte Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre sicher eine große Rolle. Studentenbewegung, Proteste gegen den Vietnam-Krieg, sozialliberaler Aufbruch sind nur einige Schlagworte. RAF-Terror und der Pragmatismus der Schmidt-Regierungszeit verdarb den Spaß an der Politik und ließ Technik und Naturwissenschaften Mitte der 70er bis Mitte der 80er Jahre vorherrschen. Der Glaube an die Technik ging verloren – die Schlagworte Automatisierung, Rationalisierung, Seveso, Bhopal, Tschernobyl, Challenger-Unglück, Anti-AKW-Bewegung können hier zitiert werden und verhalfen der Kunst als dem "Wahren, Schönen, Guten" zum Spitzenplatz. Durch die Wiedervereinigung durfte die Politik (1990-1994) nochmals in Führung gehen.
Neben der Politik spielte das Kennenlernen nach der Wiedervereinigung eine große Rolle, was sich darin äußert, dass "Städte, Länder, Regionen" einen merklichen Zuwachs verzeichneten.

 

Die DDR thematisch gesehen – Erläuterungen und Interpretation

Bei den Briefmarkenausgaben der DDR ergeben sich folgende Prozentanteile der verschiedenen Rubriken:
Politik, Geschichte, Militär, Wirtschaft 24,2%, Technik und Naturwissenschaften 18,1%, Kunst (Film, Dichtung, Theater, Malerei, Kino) 14,6%, Natur (Pflanzen, Tiere, Umwelt) 11,6%, Sport 8,1%, Kinder + Jugend 6,7%, Bauwerke, Sehenswürdigkeiten 5,9%, Städte, Länder, Regionen 5,4%, Philatelie, Post 3,0%, Religion, karitative Organisationen 1,5%.

Erwartungsgemäß spielen politische Themen bei den Briefmarkenausgaben der DDR eine dominierende Rolle. Auch andere Themen wie "Kunst" oder "Kinder und Jugend" sind manchmal so gefärbt, dass eine Einordnung in die Rubrik "Politik, Geschichte, Militär, Wirtschaft" erfolgte.
Bis auf die Fünfjahresperioden 1975-1979 und 1980-1984 war "Politik, Geschichte, Militär, Wirtschaft" stets der Spitzenreiter. In dem oben genannten Zeiträumen konnte "Technik und Naturwissenschaften" die Top 1-Position erklimmen.

  • Politik, Geschichte, Militär, Wirtschaft. Rund ein Viertel der über 3000 DDR-Briefmarken sind in dieser Kategorie zu finden. Von Beginn der DDR bis Mitte der 70er Jahre hatte Politik, Geschichte, Militär, Wirtschaft stets den Spitzenplatz inne, auch in den letzten 5 Jahren des Niedergangs der DDR war das Thema wieder "top". Neben Gedenken verschiedener sozialistischer Jubiläen spielte das mahnende Gedenken an die national-sozialistische Vergangenheit eine große Rolle.
  • Technik und Naturwissenschaften. Technik und Naturwissenschaft spielten im sozialistischen Materialismus stets eine große Rolle. Anfang der 60er und von Mitte der 70er bis Mitte der 80er Jahre betrug der Prozentanteil über 20%, so dass von 1975-1984 Technik und Naturwissenschaft gar die Spitzenposition einnahm. Viele der Technikmarken sind zum Thema Weltraumfahrt erschienen. Die Leipziger Messe ist immer für ein paar Technikmotive gut.
  • Kunst. In den 70er Jahren landete das Thema Kunst auf Platz 2 der beliebtesten Themen
  • Natur (Pflanzen, Tiere, Umwelt). Das Thema Natur wurde vor allem Mitte der 60er Jahre bis Ende der 70er Jahre mit Briefmarken verwöhnt. Vielleicht hat dies damit zu tun, dass Motivsammler gerne Pflanzen und Tieren als Motivgebiet wählten. Aspekt Raubstaat!
  • Sport. Im Vergleich mit der BRD sind Sportmarken in der DDR häufiger zu finden. Besonders populär war die Ausgabe von Sportmotiven in den 60er Jahren.
  • Kinder und Jugend. Mitte der 60er bis Ende der 70er war das Thema Kinder und Jugend stärker vertreten. In diese Zeit fallen z.B. die Märchensätze der DDR.
  • Städte, Länder, Regionen. Besonders in den 80er Jahren erschienen eine Reihe Ausgaben zu diesem Gebiet. Freimarkenserie?
  • Philatelie, Briefmarken, Post. Das Thema war nur in den Anfangsjahren der DDR und in deren letzten 10 Jahren von Relevanz
  • Religion, soziale, karitative Organisationen. Wenig erstaunen dürfte, dass Religion keine Rolle in der DDR spielte. Wenn überhaupt wurden historische Persönlichkeiten (Luther) gewürdigt.

 

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